PsyBer-Survey-Studie

PsyBer-Survey

Die erste systematische empirische Untersuchung psychologischer Beratung außerhalb der Heilkunde in Deutschland

Eine prospektive multizentrische Beobachtungsstudie mit Längsschnitt- und Querschnittskomponente im Drei-Kohorten-Design

VpsyB e.V. Verband Psychologischer Berater Association for non medical counselors

Warum diese Studie

In der gesundheitspolitischen Debatte, in Gesprächen mit Kostenträgern und in medialen Diskussionen wird seit Jahren mit Annahmen gearbeitet — wer als psychologische Beraterin oder psychologischer Berater außerhalb der Heilkunde arbeitet, wer diese Leistungen in Anspruch nimmt, welche Veränderungen im Verlauf einer Beratung auftreten und wie stabil diese Veränderungen sind.

Belastbare Daten zu diesen Fragen liegen für Deutschland bislang nicht systematisch vor.

Diese empirische Lücke führt dazu, dass das Berufsfeld in der Versorgungsforschung weitgehend unsichtbar bleibt — ein Umstand, der weder der Politik bei sachgerechten Entscheidungen hilft noch dem Berufsstand bei der Anerkennung.

Die PsyBer-Survey-Studie schließt diese Lücke.

Sie ist die erste systematische Erhebung zur Beratungspraxis und zur Veränderungsdynamik im deutschsprachigen Raum für genau dieses Berufsfeld.

Sie wird unter wissenschaftlicher Leitung von Hon.-Prof. Sandra Neumayr-Sopp an der Macromedia University of Applied Sciences durchgeführt und durch die Ethikkommission des Verbandes vor Beginn der Feldphase formell geprüft.

Was die Studie untersucht

Die Studie verfolgt drei Forschungsstränge. Sie beschreibt das Berufsfeld — wer als psychologische Beraterin oder psychologischer Berater arbeitet, in welchen Settings, mit welchen Beratungsanlässen, mit welcher Qualifikation und in welchem Tätigkeitsumfang. Sie erfasst intraindividuelle Veränderungen über den Beratungsverlauf hinweg — die wahrgenommene Stressbelastung (Perceived Stress Scale, PSS-10; Cohen, Kamarck & Mermelstein, 1983), das psychische Wohlbefinden (WHO-5 Well-Being Index; Bech, 2004) und die allgemeine Selbstwirksamkeit (Allgemeine Selbstwirksamkeit Kurzskala, ASKU; Beierlein, Kovaleva, Kemper & Rammstedt, 2012). Und sie prüft, wie stabil die beobachteten Veränderungen drei Monate nach Beratungsabschluss bleiben — ein Zeitfenster, das in der Wirksamkeitsforschung als entscheidender Indikator für Nachhaltigkeit gilt.

Die erfassten Beratungsanlässe bilden bewusst die in der Hauptseite beschriebene multikausale Belastungslandschaft ab — von Beziehungs- und Familienkonflikten über pflegerische Verantwortungssituationen, Einsamkeitsphänomene und Lebensübergänge bis hin zu arbeitsweltlichen Belastungen und Sinnfragen.

Die Studie liefert damit nicht nur Veränderungsdaten, sondern auch eine differenzierte Beschreibung des realen Anlassspektrums in der deutschen Beratungspraxis.

Das Studiendesign in der Übersicht

Die PsyBer-Survey ist als prospektive, multizentrische, naturalistische Beobachtungsstudie angelegt. Sie greift nicht in das Beratungsgeschehen ein, sondern dokumentiert die unter Regelpraxisbedingungen stattfindende Beratung.

Die Studie umfasst zwei Befragungsstränge.

Strang A

Beratendenbefragung.

Eine querschnittliche, anonyme Online-Befragung der psychologischen Beraterinnen und Berater in Deutschland. Eingeschlossen werden ausdrücklich sowohl Mitglieder des VpsyB als auch Nicht-Mitglieder, um die externe Validität gegenüber Politik und Kostenträgern zu erhöhen.

Strang B

Klientenbefragung im Drei-Kohorten-Design. Eine pseudonymisierte Befragung von Klientinnen und Klienten, gegliedert in drei Kohorten, die sich im Beratungsstatus zum Zeitpunkt der Studienteilnahme unterscheiden:

  • Kohorte 1 (Neu): Personen, die im Erhebungszeitraum eine neue Beratung beginnen. Sie durchlaufen den vollständigen Längsschnitt mit vier Messzeitpunkten — vor Beratungsbeginn, in der Beratungsmitte, unmittelbar nach Beratungsabschluss und in einem Drei-Monats-Follow-up. Diese Kohorte liefert die methodisch stärkste Evidenz und bildet das wissenschaftliche Kernstück der Studie.
  • Kohorte 2 (Bestehend): Personen in laufender Beratung. Sie kombinieren eine prospektive aktuelle Messung mit einer retrospektiv erinnerten Baseline.
  • Kohorte 3 (Ehemalig): Personen, deren Beratung in den letzten 24 Monaten abgeschlossen wurde. Sie liefern in einem retrospektiven Querschnitt Bewertungs- und Erfahrungsdaten zu bereits abgeschlossenen Beratungsverläufen, mit optionalem Drei-Monats-Follow-up.

Die Auswertung erfolgt durchgängig kohortenstratifiziert.

Befunde aus Kohorten 2 und 3 dienen als Sensitivitätsstützung der Ergebnisse aus Kohorte 1:

Wenn die drei Kohorten in dieselbe Richtung weisen, gewinnt die Studie an externer Robustheit (vgl. das Triangulationsprinzip nach Campbell & Fiske, 1959).

Divergierende Muster werden inhaltlich diskutiert und nicht durch statistische Pooling-Verfahren überdeckt.

Was die Studie leisten kann — und was nicht

Die Studie ist als Phase-I-Evidenzstudie konzipiert. Sie beschreibt intraindividuelle Veränderungen mit validierten Instrumenten in einem methodisch transparenten Beobachtungsdesign und schafft damit die Grundlage für eine spätere kausale Prüfung.
Sie erlaubt belastbare Aussagen über Veränderungen im Beratungsverlauf, über deren zeitliche Stabilität und über Zusammenhänge zwischen Merkmalen der Beratung und den beobachteten Veränderungen.

Was die Studie nicht leistet — und was sie ausdrücklich nicht behauptet — ist eine kausale Wirksamkeitsaussage im engen Sinne einer randomisiert-kontrollierten Studie.

Ohne Kontrollgruppe können natürliche Remission, Regression zur Mitte (Barnett, van der Pols & Dobson, 2005) und parallele Lebensereignisse nicht kontrolliert werden.

Diese Leistungsgrenze wird in allen Publikationen transparent ausgewiesen.

Wirksamkeit wird in der Studie nicht über ein Einzelkriterium operationalisiert, sondern über sieben zusammengesetzte Bedingungen: statistische Signifikanz, Effektstärke mit Konfidenzintervall (Cohen, 1988), klinische Relevanz auf Individualebene mittels Reliable Change Index (Jacobson & Truax, 1991), Stabilität der Veränderungen im Drei-Monats-Follow-up, Konvergenz über mehrere Operationalisierungen, die Unwahrscheinlichkeit alternativer Erklärungen durch Moderator- und Trajektorienanalysen sowie die fachliche Plausibilität über den Beraterbogen. Methodisch orientiert sich die Studie am Rahmen für komplexe Interventionen des Medical Research Council (Craig et al., 2008) und an den Prinzipien der „practice-based evidence“ (Margison et al., 2000; Barkham, Hardy & Mellor-Clark, 2010).

Forschungsethik und Datenschutz

Sämtliche Erhebungsinstrumente werden vor Einsatz durch die Ethikkommission des VpsyB geprüft.

Die Teilnahme ist in beiden Strängen vollständig freiwillig.

  • Strang A erfolgt anonym,
  • Strang B pseudonymisiert über einen selbstgenerierten Code, der die Verknüpfung der Messzeitpunkte erlaubt, ohne Rückschluss auf die Identität der Person zuzulassen.

Alle Teilnehmenden werden schriftlich über Zweck, Freiwilligkeit, Pseudonymisierung und Datenverwendung aufgeklärt; eine informierte Einwilligung ist Voraussetzung.

Die Verarbeitung erfolgt nach Maßgabe der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG).

Der Serverstandort des Umfragetools liegt in der Europäischen Union.

Ergebnisse werden ausschließlich aggregiert veröffentlicht;

Einzelfallauswertungen finden nicht statt.

Personen in akuter psychischer Krisensituation, in laufender approbierter Psychotherapie oder im Klinikaufenthalt sind von der Teilnahme ausgeschlossen — eine Sicherheitsmaßnahme, die die strikte Trennung von Beratung und Heilkunde auch im Studiendesign abbildet.

Wissenschaftliche Leitung und institutionelle Verankerung

Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Hon.-Prof. Sandra Neumayr-Sopp, Professur für Beratungspsychologie an der Macromedia University of Applied Sciences und Präsidentin des Verbands psychologischer Berater e. V.

Die Rollentrennung zwischen Verbandspräsidium und akademischer Studienleitung sowie die kohortenstratifizierte Auswertung sind im Studienprotokoll als Absicherung gegen Interessenkonflikte verbindlich verankert.

Die Ergebnisse werden in einer versorgungsnahen deutschsprachigen Fachzeitschrift sowie im Verbandskontext publiziert — unabhängig davon, in welche Richtung sie ausfallen.

Zeitplan und nächste Schritte

Die Studie ist auf eine Gesamtlaufzeit von achtzehn Monaten angelegt: zwei Monate Vorbereitung, neun Monate Feldphase mit Drei-Monats-Follow-up, vier Monate Auswertung und Berichterstellung sowie drei Monate Publikationsphase.

Erste verwertbare Bewertungs- und Erfahrungsdaten aus den Kohorten 2 und 3 werden bereits nach wenigen Monaten der Feldphase verfügbar sein und unter ausdrücklicher Kennzeichnung als kohortenspezifische, methodisch eingeschränkte Zwischenergebnisse in die Verbandskommunikation einfließen.

Die abschließenden Hauptergebnisse aus Kohorte 1 folgen nach Abschluss der Feldphase.

Wer mitwirken kann

Beraterinnen und Berater, die bereit sind, an Strang A teilzunehmen oder die Klientenrekrutierung für Strang B zu unterstützen, können sich über die unten genannten Kontaktwege melden (in**@***yb.org).

Wir freuen uns ausdrücklich auch über die Mitwirkung von Beratenden, die nicht Mitglied des VpsyB sind.

Das verbreitert die empirische Basis und erhöht die Aussagekraft der Studie für Politik, Verwaltung und Kostenträger.

Weiterführende Information

Pressekontakt: in**@***yb.org  –  Tel: 089-23543044]
Verantwortlich: Hon.-Prof. Sandra Neumayr-Sopp, Präsidentin VpsyB e. V.