PsyBer-Survey – die erste empirische Studie zum Berufsfeld

PsyBer-Survey

Wirksamkeit und Bedarfe psychologischer Beratung außerhalb der Heilkunde in Deutschland.
VpsyB e.V. Verband Psychologischer Berater Association for non medical counselors

Die psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde ist in Deutschland versorgungsrelevant – aber empirisch weitgehend unbeschrieben. Mit der PsyBer-Survey legt der VpsyB e.V. die erste systematische, methodisch fundierte Studie zu diesem Berufsfeld vor.

Worum geht es

Mit der PsyBer-Survey-Studie untersucht der Verband psychologischer Berater e. V. – unter wissenschaftlicher Leitung von Hon.-Prof. Sandra Neumayr-Sopp an der Macromedia University of Applied Sciences – erstmals systematisch das Berufsfeld der psychologischen Beratung außerhalb der Heilkunde in Deutschland.
Die Studie beantwortet zwei zentrale Fragen, die für die Anerkennung dieses Berufsfeldes von strategischer Bedeutung sind: Wer arbeitet in diesem Feld – mit welchen Qualifikationen, in welchen Tätigkeitsstrukturen, mit welchen Beratungsanlässen? Und: Welche Veränderungen erleben Klientinnen und Klienten im Verlauf einer Beratung – gemessen mit international etablierten, wissenschaftlich validierten Instrumenten?
Damit schließt die Studie eine zentrale Lücke. Während für die heilkundliche Psychotherapie umfangreiche Evidenzbasen existieren, war das Feld der psychologischen Beratung außerhalb der Heilkunde bisher empirisch unbeschrieben. Diese Lücke kostet Sichtbarkeit – gegenüber Politik, Kostenträgern, Auftraggebern und in der öffentlichen Wahrnehmung. Die PsyBer-Survey beginnt, diese Lücke zu schließen.

Die Studie in Zahlen

 ≈900


angestrebte Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Klientenstrang

3


Klientenkohorten – neu, bestehend, ehemalig

4


Messzeitpunkte im Längsschnitt von Kohorte 1

7


wissenschaftlich begründete Wirksamkeitskriterien

Das Studiendesign in der Übersicht

Die PsyBer-Survey ist eine prospektive, multizentrische, naturalistische Beobachtungsstudie mit Längsschnitt- und Querschnittskomponente.

Naturalistisch heißt: Die Studie greift nicht in den Beratungsprozess ein, sondern dokumentiert ihn unter den Bedingungen der Regelpraxis.

Beraterinnen und Berater führen ihre Beratungen nach eigener fachlicher Entscheidung durch; die Studie hält standardisiert fest, was ohnehin stattfindet.

Zwei Stränge – die Architektur der Studie

Strang A – Mitgliederbefragung.

Eine einmalige, vollständig anonyme Querschnittsbefragung aller Beraterinnen und Berater, die im Feld der psychologischen Beratung außerhalb der Heilkunde tätig sind.

Sie schließt VpsyB-Mitglieder und Nicht-Mitglieder gleichermaßen ein und beantwortet die Frage:

Wer arbeitet in diesem Feld – demografisch, qualifikatorisch, in welchen Tätigkeitsstrukturen, mit welchen Beratungsanlässen?

Strang B – Klientenbefragung.

Die wissenschaftlich anspruchsvollere Komponente und das methodische Herzstück der Studie.

Klientinnen und Klienten werden zu mehreren Zeitpunkten mit international validierten Instrumenten befragt – um intraindividuelle Veränderungen im Beratungsverlauf empirisch zu dokumentieren.

Drei Klientenkohorten im Strang B

Die Klientenbefragung gliedert sich in drei Kohorten, die sich im Beratungsstatus zum Zeitpunkt der Studienteilnahme unterscheiden.

Diese Erweiterung verfolgt drei Ziele: Vergrößerung der Datenbasis, schnellere Verfügbarkeit erster Befunde und Erfassung von Erfahrungswerten aus laufender und abgeschlossener Beratungspraxis.

Zwei Stränge – die Architektur der Studie

Kohorte 1 – Neu

Beginn einer neuen Beratung im Erhebungszeitraum

Vollständiger Längsschnitt mit vier Messzeitpunkten:

  • vor Beratungsbeginn (t0),
  • in der Beratungsmitte (t1),
  • zum Beratungsabschluss (t2)
  • und drei Monate danach (t3).

 

Diese Kohorte liefert die methodisch belastbarste Evidenz – und damit den Kern des Wirksamkeitsnachweises.

Kohorte 2 – Bestehend

Aktuell laufende Beratung mit mindestens zwei absolvierten Sitzungen

Einstiegsbogen mit aktueller prospektiver Messung und retrospektiver Baseline-Erinnerung, gefolgt von prospektiven Messungen zum Beratungsabschluss und zum Drei-Monats-Follow-up.

Diese Kohorte erweitert die Stichprobe und beschleunigt die Verfügbarkeit von Befunden.

Kohorte 3 – Ehemalig

In den letzten 24 Monaten abgeschlossene Beratung

Retrospektiver Querschnittsbogen mit optionalem Drei-Monats-Follow-up.

Diese Kohorte liefert breite Erfahrungsdaten zu bereits abgeschlossenen Beratungsverläufen und erlaubt eine Querschnittsbewertung des Berufsfeldes.

Die Auswertung erfolgt durchgängig kohortenstratifiziert.

Wenn die Befunde in den drei Kohorten in dieselbe Richtung weisen, gewinnt die Studie an externer Robustheit – divergierende Muster werden inhaltlich diskutiert und nicht statistisch übertüncht.

Die Messinstrumente

Die Studie folgt dem Prinzip der multimethodalen Messung mit international validierten Instrumenten.

Subjektive Konstrukte werden nicht mit Ad-hoc-Fragen erhoben, sondern mit etablierten Kurzskalen, für die deutsche Normdaten und psychometrische Kennwerte vorliegen:

Perceived Stress Scale (PSS-10).
Wahrgenommene Stressbelastung im Vier-Wochen-Zeitfenster (Cohen, Kamarck & Mermelstein, 1983).

Zielerreichungsskala.
Idiographische Erfassung individuell relevanter Beratungsziele in Anlehnung an Goal Attainment Scaling (Kiresuk, Smith & Cardillo, 1994).

Zielerreichungsskala.
Idiographische Erfassung individuell relevanter Beratungsziele in Anlehnung an Goal Attainment Scaling (Kiresuk, Smith & Cardillo, 1994).

WHO-5 Well-Being Index.

Psychisches Wohlbefinden im Zwei-Wochen-Zeitfenster (Bech, 2004; WHO, 1998).

 

Client Satisfaction Questionnaire (CSQ-8).

Globale Beratungszufriedenheit (Attkisson & Zwick, 1982; deutsche Version: Schmidt, Lamprecht & Wittmann, 1989).

Client Satisfaction Questionnaire (CSQ-8).

Globale Beratungszufriedenheit (Attkisson & Zwick, 1982; deutsche Version: Schmidt, Lamprecht & Wittmann, 1989).

Allgemeine Selbstwirksamkeit Kurzskala (ASKU).

Situationsübergreifende Selbstwirksamkeitserwartung (Beierlein et al., 2012, GESIS).

Allgemeine Selbstwirksamkeit Kurzskala (ASKU).

Situationsübergreifende Selbstwirksamkeitserwartung (Beierlein et al., 2012, GESIS).

Beraterbogen B0.
Fachliche Fremdeinschätzung pro eingeschlossenem Fall – als Validitätsanker neben den Klientenselbstberichten.

Diese Instrumentenwahl macht die Befunde international anschlussfähig, erlaubt Vergleiche mit der bestehenden Versorgungsforschungsliteratur und schließt methodische Beliebigkeit aus.

Wann wir von Wirksamkeit sprechen können

Die zentrale wissenschaftliche Frage der Studie lautet: Unter welchen Bedingungen lässt sich in einem Beobachtungsdesign ohne Kontrollgruppe seriös von Wirksamkeit sprechen?

Die Antwort der Studie ist methodisch konservativ und mehrgliedrig. Wirksamkeit wird nicht über ein Einzelkriterium, sondern über sieben gestaffelte, vor Datenauswertung schriftlich fixierte Kriterien operationalisiert:

1. Statistische Signifikanz.
Die beobachteten Veränderungen zwischen Beratungsbeginn und -abschluss sind nicht zufällig (gepaarte Tests, lineare gemischte Modelle).

2. Effektstärke und Konfidenzintervall.

Cohens d_z mindestens 0,30 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall, dessen untere Grenze oberhalb von Null liegt – als realistisches Zielkriterium für niederschwellige Beratung

3. Klinische Relevanz auf Individualebene.

Mindestens 30 Prozent der Teilnehmenden zeigen einen reliablen Verbesserungsverlauf nach dem Reliable Change Index (Jacobson & Truax, 1991); weniger als 10 Prozent eine reliable Verschlechterung.

4. Stabilität der Veränderung.
Im Drei-Monats-Follow-up bleiben mindestens zwei Drittel des Effekts erhalten – ohne signifikante Verschlechterung. Damit sind Abschlusseuphorie und soziale Erwünschtheit als alleinige Erklärungen ausgeschlossen.

6. Ausschluss alternativer Erklärungen.
Trajektorien- und Moderatoranalysen liefern keine Hinweise, die das beobachtete Muster vollständig durch Regression zur Mitte oder Spontanremission erklären.

5. Konvergenz über mehrere Operationalisierungen.

Mindestens drei der fünf Messinstrumente zeigen Veränderungen in dieselbe Richtung – darunter zwingend die beiden primären Endpunkte (PSS-10 und WHO-5).

7. Fachliche Plausibilität.
Klienten- und Beratereinschätzungen konvergieren in der Ausgangsbelastung (Multi-Informant-Validierung nach Achenbach et al., 2005).

Erst wenn alle sieben Kriterien gemeinsam erfüllt sind, erlaubt die Studie die empirisch gestützte Aussage, dass die psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde wirksamkeitsähnliche Muster zeigt – methodisch und kommunikativ klar abgegrenzt von kausaler Wirksamkeit im Sinne einer randomisiert-kontrollierten Studie.

Was die Studie leisten kann – und was nicht

Wir gehen offen mit den methodischen Grenzen der Studie um. Drei Punkte sind dabei besonders wichtig:

Was die Studie leisten kann

Erstmals systematische, empirische Vermessung des Berufsfeldes der psychologischen Beratung außerhalb der Heilkunde in Deutschland.
Dokumentation intraindividueller Veränderungen im Beratungsverlauf mit international validierten Instrumenten – methodisch nach den höchsten Standards, die ohne Kontrollgruppe erreichbar sind.
Bewertungs- und Stabilitätsbefunde aus laufender und abgeschlossener Beratungspraxis – verfügbar, sobald die ersten Wellen der Kohorten 2 und 3 abgeschlossen sind.
Methodische und empirische Grundlage für eine spätere drittmittelfinanzierte, kontrollierte Wirksamkeitsstudie – einschließlich Fallzahlkalkulation, Instrumentenwahl und Effektgrößenschätzung.

Was die Studie nicht leisten kann

Ohne Kontrollgruppe lassen sich natürliche Remission, Regression zur Mitte und parallele Lebensereignisse nicht vollständig ausschließen. Das ist kein Schwächeeingeständnis, sondern wissenschaftliche Redlichkeit. Die Studie nähert sich diesem Problem durch die Längsschnittstruktur, die Trajektorien- und Moderatoranalysen sowie den Sensitivitätsabgleich über die drei Kohorten – und kommuniziert ihre Befunde entsprechend differenziert.
Eine randomisiert-kontrollierte Studie wäre methodisch überlegen, ist aber unter den gegebenen Ressourcen aktuell nicht realisierbar. Die PsyBer-Survey ist die unter den gegebenen Bedingungen bestmögliche erste Stufe einer langfristig aufzubauenden Evidenzbasis.

Die PsyBer-Survey ist eine Phase-I-Evidenzstudie. Sie steht zwischen rein deskriptiven Einmalerhebungen und kontrollierten Interventionsstudien.

Sie ist der erste systematische, methodisch fundierte Schritt – nicht der letzte.

Warum die Studie wichtig ist

Für die Klientinnen und Klienten

Wenn Sie eine psychologische Beratung in Anspruch genommen haben oder gerade nutzen, wissen Sie aus eigener Erfahrung: Beratung kann etwas bewegen.

Aber dieses Wissen ist privat. Mit Ihrer Studienteilnahme wird daraus öffentlich verwertbares, wissenschaftliches Wissen – das die Anerkennung der psychologischen Beratung als seriöse Versorgungsleistung politisch und gesellschaftlich stärkt

Für die Beraterinnen und Berater

Ihr Berufsstand ist gut – aber für die Außenwelt unsichtbar.

Die PsyBer-Survey macht ihn sichtbar. Sie liefert empirische Daten zu Tätigkeitsstrukturen, Beratungsanlässen und Wirkungen, die Sie in Honorarverhandlungen, in Gesprächen mit Auftraggebern, in berufspolitischen Diskussionen und in Gesprächen mit Klientinnen und Klienten konkret einsetzen können.

Für Politik, Versorgung und Wissenschaft

Die psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde ist ein wachsendes, versorgungsrelevantes Feld – aber empirisch unterbelichtet.

Die PsyBer-Survey schließt diese Lücke mit international anschlussfähiger Methodik (STROBE-Standards für Beobachtungsstudien) und schafft die Grundlage für eine substanzielle politische Diskussion über die Rolle dieses Feldes im europäischen Mental-Health-Versorgungssystem.

Wie Sie an der Studie teilnehmen können

 

Sie sind Klientin oder Klient

Wenn Sie eine psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde in Anspruch nehmen, gerade laufende Beratung haben oder Ihre Beratung in den letzten 24 Monaten abgeschlossen haben, sind Sie für eine der drei Studienkohorten geeignet.

Die Teilnahme ist anonym, der Aufwand pro Erhebungszeitpunkt überschaubar.

Bitte sprechen Sie Ihre Beraterin oder Ihren Berater an oder kontaktieren Sie uns direkt.

Sie sind Beraterin oder Berater

Wenn Sie psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde anbieten –

  • als VpsyB-Mitglied
  • oder ohne VpsyB-Zugehörigkeit –,

sind Sie für die Mitgliederbefragung (Strang A) eingeladen.

Wenn Sie zusätzlich Klientinnen und Klienten zur Studienteilnahme einladen möchten, erhalten Sie ein vollständiges Studienpaket mit allen erforderlichen Materialien (Aufklärungsbogen, Einwilligungserklärungen, Erhebungsbögen für die jeweiligen Kohorten).

Sie sind Wissenschaftlerin, Wissenschaftler oder Förderer

Sie interessieren sich für die methodische Konzeption, möchten kooperieren oder die Studie unterstützen?

Wir freuen uns über den Austausch.

Das vollständige wissenschaftliche Positionspapier (Version 2.0, April 2026) – mit detaillierter methodischer Begründung, Fallzahlkalkulation und Limitationsdiskussion – Wir bitten um eine Anfrage

In allen Fällen gilt:

Die Teilnahme ist freiwillig.

Die Daten werden anonym erhoben und ausschließlich wissenschaftlich verwendet.

Eine Identifikation einzelner Personen ist nicht möglich.

Die Studie folgt den ethischen Standards guter wissenschaftlicher Praxis und wird transparent dokumentiert.

Wissenschaftliche Leitung

 

Die wissenschaftliche Leitung der Studie liegt bei Hon.-Prof. Sandra Neumayr-Sopp, Honorarprofessorin für Beratungspsychologie an der Macromedia University of Applied Sciences und Präsidentin des Verbandes psychologischer Berater e. V.

Sie hat den bundesweit ersten konsekutiven Masterstudiengang „Psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde“ maßgeblich mitentwickelt.

Ihre wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte liegen in der Beratungspsychologie, in primärpräventiven psychosozialen Interventionen und in der wissenschaftlichen Fundierung beratungspsychologischer Berufsfelder.

Der institutionelle Interessenkonflikt – die wissenschaftliche Leiterin ist zugleich Präsidentin des antragstellenden Verbandes – wird in allen auf dieser Studie beruhenden Publikationen offengelegt.

Der Analyseplan wird vor Datenauswertung schriftlich fixiert und verschlossen hinterlegt; die Ergebnisse werden unabhängig von ihrer Richtung publiziert.

Die Studie folgt den Reporting-Standards der STROBE-Initiative für Beobachtungsstudien.

Zeitplan und erste Befunde

Die Feldphase der Studie hat in mehreren Wellen begonnen.

Erste Befunde aus den Kohorten 2 und 3 werden – je nach Rekrutierungstempo – innerhalb weniger Monate vorliegen und in Positionspapieren des Verbandes sowie in Gesprächen mit Versorgungsstrukturen eingesetzt.

Die belastbaren Längsschnittbefunde aus Kohorte 1 werden frühestens nach 18 Monaten Feldphase verfügbar.

Wir berichten regelmäßig auf dieser Seite über den Fortgang der Studie und die wichtigsten Befunde.

Kontakt zu uns

Sie haben Fragen zur Studie, möchten teilnehmen, sich an der Datenerhebung beteiligen oder das wissenschaftliche Positionspapier erhalten? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Wir freuen uns auf den Austausch
Bitte vermerken Sie in Ihrer Anfrage „PsyBer-Survey“. Wir leiten Ihre Anfrage umgehend an das Studienteam weiter.

Kontakt: in**@***yb.org  –  Tel: 089-23543044]
Verantwortlich: Hon.-Prof. Sandra Neumayr-Sopp, Präsidentin VpsyB e. V.

Vielen Dank, dass Sie sich für die PsyBer-Survey interessieren – und damit für ein Forschungsprojekt, das die psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde empirisch sichtbar macht und ihre Anerkennung als seriöses, wirksames Beratungsfeld langfristig stärkt.