Mental Health Plan und internationale Zusammenarbeit

Mental Health Plan und internationale Zusammenarbeit

Mental Health Program – Preserving Mental Health through Non-Medical Counseling

Engagement des VpsyB e.V. für die Standardisierung und Etablierung der psychologischen Beratung außerhalb der Heilkunde – in Deutschland und der EU.
VpsyB e.V. Verband Psychologischer Berater Association for non medical counselors

Der VpsyB e.V. stärkt psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde als primäre Prävention – in Deutschland und EU-weit. Unser Mental Health Programm steht für einheitliche Standards, klare Rahmenbedingungen und die Anerkennung von Non-Medical Counseling im deutschsprachigen Raum.

Grußwort der Präsidentin

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Interessierte,

als Präsidentin des VpsyB – Verband für psychologische Beratung – freue ich mich, Ihnen einen weiteren wichtigen Schritt in unserer Mission vorstellen zu dürfen:

die Intensivierung unserer Bemühungen zur Standardisierung und Etablierung des Berufsbildes der psychologischen Beraterin und des psychologischen Beraters in Deutschland und der Europäischen Union.

Unser Mental Health Programm bildet dafür die zentrale Plattform. Mit dieser Initiative setzen wir uns ein für:

Einheitliche Qualitätsstandards.
In Deutschland und in der gesamten Europäischen Union.

Klare rechtliche Rahmenbedingungen.
Für unseren Berufsstand – als Voraussetzung für Verlässlichkeit und Klientenschutz.

Verbindliche Aus- und Weiterbildungsrichtlinien.
Damit die Qualifikation psychologischer Beraterinnen und Berater nachvollziehbar und vergleichbar wird.

Eine EU-weite Anerkennung des Berufsbildes.

Mobilität und gegenseitige Anschlussfähigkeit über Ländergrenzen hinweg.

Die Integration psychologischer Beratung in Gesundheitsprogramme.

Damit primäre Prävention dort wirken kann, wo sie gebraucht wird.

Diese Schritte sind entscheidend, um die Professionalität und Wirksamkeit psychologischer Beratung weiter zu stärken und ihre Bedeutung im Gesundheitswesen zu festigen.

Ich lade Sie herzlich ein, sich über unser Mental Health Programm zu informieren und sich aktiv einzubringen. Gemeinsam können wir die Zukunft unseres Berufsstandes gestalten – und einen wertvollen Beitrag zur psychischen Gesundheitsversorgung in Deutschland und der EU leisten.

Besuchen Sie uns unter mental-health-program.org und werden Sie Teil dieser wichtigen Entwicklung.

Mental Health Program VpsyB

Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Psychische Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie braucht Versorgung, die niedrigschwellig, primärpräventiv und qualitätsgesichert ist – und sie braucht Berufsbilder, die rechtlich klar verankert und international anschlussfähig sind.

Der Ausgangspunkt:

Eine wachsende Versorgungsherausforderung
Die psychische Gesundheit ist in Europa zu einem der drängendsten gesundheitspolitischen Themen geworden. Die Zahlen aktueller europäischer und deutscher Erhebungen sprechen eine deutliche Sprache:

1 von 6 Menschen in der EU war bereits vor der COVID-19-Pandemie von psychischen Belastungen betroffen – mit steigender Tendenz seitdem. (Europäische Kommission, COM(2023) 298)

ca. 84 Mio. Menschen in der EU lebten bereits vor der Pandemie mit psychischen Erkrankungen. (Europäische Kommission)

ca. 600 Mrd. € betragen die geschätzten Kosten der Untätigkeit im Bereich psychische Gesundheit in der EU jährlich. (Europäische Kommission, 2023)

In Deutschland zeichnet sich die Lage in den jährlichen Krankenkassen-Reporten ähnlich deutlich ab:

  • Psychische Erkrankungen sind dritthäufigste Ursache krankheitsbedingter Fehltage, mit besonders langen Falldauern und steigenden Fallzahlen.
  • Die volkswirtschaftlichen Produktionsausfallkosten durch psychische Erkrankungen werden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin allein für 2023 auf über 20 Milliarden Euro beziffert.

Vor diesem Hintergrund ist klar:

Die heilkundliche Versorgung allein kann diese Herausforderung nicht bewältigen.

  • Wartezeiten auf einen Therapieplatz von rund einem halben Jahr im Bundesdurchschnitt,
  • deutlich längere Wartezeiten in ländlichen Regionen,
  • eine hohe Eintrittsschwelle in psychotherapeutische Versorgung
  • und eine wachsende Zahl von Belastungen, die noch keine Krankheit sind, aber dennoch professionelle Begleitung erfordern

all das verlangt einen strukturellen Beitrag jenseits der heilkundlichen Behandlung.

Genau diesen Beitrag leistet die psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde: niedrigschwellig, primärpräventiv, qualitätsgesichert und in klarer Abgrenzung zur Psychotherapie.

Sie ist – wenn sie professionell verankert wird – ein wirksamer Baustein einer modernen Gesundheitsversorgung.

Die europäische Dimension: Anschluss an die EU-Strategie

Mit ihrer Mitteilung über einen umfassenden Ansatz für die psychische Gesundheit (COM(2023) 298) hat die Europäische Kommission im Juni 2023 erstmals einen ganzheitlichen, sektorübergreifenden Rahmen für psychische Gesundheitspolitik in der EU vorgelegt.

Die Initiative umfasst 20 Flaggschiff-Initiativen, einen Finanzrahmen von rund 1,23 Milliarden Euro und das ausdrückliche Ziel, psychische Gesundheit auf gleicher Augenhöhe mit körperlicher Gesundheit zu behandeln (mental health on par with physical health).

Drei Leitprinzipien prägen diesen europäischen Ansatz:

Wirksame Prävention.

Frühzeitige Erkennung und Intervention vor der Entstehung manifester Erkrankungen.

Zugang zu hochwertiger und bezahlbarer psychischer Gesundheitsversorgung.
Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg und unter besonderer Berücksichtigung verletzlicher Gruppen.

Behandlung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Mit dem Ziel, Teilhabe nach einer Erkrankung dauerhaft zu sichern.

Die EU-Strategie umfasst unter anderem:

  • einen geplanten European Code for Mental Health,
  • eine europäische Initiative zur Prävention von Depression und Suizid,
  • Bildungs- und Kapazitätsausbau für Fachkräfte,
  • Investitionen in betriebliche Gesundheitsförderung und psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz,
  • gezielte Programme für Kinder und Jugendliche
  • sowie Maßnahmen für besonders verletzliche Gruppen wie ältere Menschen, Geflüchtete und Menschen in schwierigen sozialen Lagen.

Das Mental Health Programm des VpsyB e.V. ist ausdrücklich an diesem europäischen Rahmen orientiert.

Wir sehen unsere nationale Arbeit als Beitrag zu einer europäischen Anstrengung – und wir sehen die europäische Strategie als Rückenwind für die nationale Professionalisierung der psychologischen Beratung.

Die nationale Ebene: Engagement in Deutschland

Auf nationaler Ebene konzentriert sich unser Mental Health Programm auf fünf strategische Handlungsfelder:

1. Anerkennung des Berufsbildes

Wir arbeiten daran, dass das Berufsbild der psychologischen Beraterin und des psychologischen Beraters außerhalb der Heilkunde in Deutschland politisch und rechtlich anerkannt wird – mit klarer Abgrenzung zur Heilkunde und in voller Übereinstimmung mit dem geltenden Recht (insbesondere § 1 Psychotherapeutengesetz und der einschlägigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts).

Die rechtliche Klarheit der Tätigkeit besteht; was es braucht, ist eine darauf aufbauende politische Anerkennung als eigenständiges Berufsbild.

2. Verbindliche Qualitäts- und Ausbildungsstandards

Wir setzen verbindliche Qualitätsstandards und zertifizieren Ausbildungslehrgänge nach klar definierten Kriterien.

Damit schaffen wir einen Mindeststandard, an dem sich Ausbildungsanbieter, Beraterinnen und Berater sowie – nicht zuletzt – Ratsuchende verlässlich orientieren können.

Diese Standards sind in unseren Kodizes (Ethik-Kodex, Qualitätskodex, Code of Conduct, Kodex Klientensicherheit) niedergelegt und verpflichten unsere Mitglieder.

3. Integration in Gesundheits- und Präventionsstrukturen

Mit den Profilen Lotse Mental Health Guide und Psychologischer EAP-Berater haben wir konkrete Tätigkeitsfelder im Unternehmenskontext definiert, die unmittelbar zur Umsetzung primärpräventiver Maßnahmen beitragen.

Sie ergänzen die gesetzliche Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung nach § 5 ArbSchG um individuelle, niedrigschwellige Unterstützungsangebote – und leisten damit einen messbaren Beitrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung.

4. Initiative Klientensicherheit

Mit unserer Initiative Klientensicherheit in der psychologischen Beratung schaffen wir gesellschaftliches Bewusstsein für ein Thema, das in der öffentlichen Wahrnehmung lange unterbelichtet war.

Wir formulieren Standards für Schutz, Transparenz und ethisches Handeln, machen sie öffentlich sichtbar und tragen sie in die wissenschaftliche und gesundheitspolitische Diskussion.

5. Wissenschaftlicher Austausch und Politikdialog

Wir suchen den Dialog mit Wissenschaft, Politik, Verwaltung und mit den Akteuren der Gesundheitsversorgung.

Über Stellungnahmen, Anhörungen, Forschungskooperationen und Fachveröffentlichungen bringen wir die Perspektive der psychologischen Beratung außerhalb der Heilkunde in den gesundheitspolitischen Diskurs ein.

Der deutschsprachige Raum: Zusammenarbeit mit Schengen-Ländern

Eine besondere Stärke unseres Mental Health Programms ist die enge Zusammenarbeit mit den deutschsprachigen Schengen-Ländern.

Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Österreich, der Schweiz und Liechtenstein arbeiten wir daran, psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde – Non-Medical Counseling – im deutschsprachigen Raum zu etablieren, zu standardisieren und langfristig vergleichbar zu machen.

Diese regionale Kooperation hat mehrere Vorteile:

  • Sie nutzt die gemeinsame Sprache und ein vergleichbares fachliches Selbstverständnis.
  • Sie stärkt die Mobilität von Fachkräften innerhalb des deutschsprachigen Raums.
  • Und sie schafft eine kritische Masse, mit der wir auf europäischer Ebene wirksam auftreten können – als Stimme einer Berufsgruppe, die weit über Deutschland hinaus verankert ist.

Konkrete Themen unserer länderübergreifenden Zusammenarbeit sind:

  • Vergleichbarkeit von Ausbildungsstandards,
  • gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen,
  • gemeinsame ethische Standards, abgestimmte Definitionen der Tätigkeitsfelder (Beratung, Lotse, EAP)
  • und ein koordinierter Auftritt gegenüber EU-Institutionen.

Unsere strategischen Ziele

Das Mental Health Programm des VpsyB e.V. verfolgt fünf strategische Ziele, die nationale und europäische Perspektive verbinden:

Einheitliche Qualitätsstandards.
Verbindliche, transparente und evidenzinformierte Qualitätsanforderungen für die psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde – in Deutschland und der EU.

Klare rechtliche Rahmenbedingungen.
Auf nationaler Ebene die politische Anerkennung des Berufsbildes; auf europäischer Ebene die Schaffung einer kompatiblen Regulierungslogik unter Wahrung der nationalen Zuständigkeiten.

Verbindliche Aus- und Weiterbildungsrichtlinien.
Mit klaren Anforderungen an Inhalt, Umfang, Methodik, Selbsterfahrung und supervidierte Praxis.

EU-weite Anerkennung des Berufsbildes.

Damit psychologische Beraterinnen und Berater grenzüberschreitend tätig werden können – und damit Ratsuchende in jedem Mitgliedstaat auf vergleichbare Qualität bauen können.

Integration in Gesundheits- und Präventionsprogramme.
Psychologische Beratung außerhalb der Heilkunde als anerkannter Bestandteil moderner, primärpräventiv ausgerichteter Gesundheitsversorgung.

Wie wir arbeiten

Diese Ziele verfolgen wir auf mehreren Wegen gleichzeitig:

Verbandseigene Standards.
Mit unseren Kodizes, Zertifizierungsverfahren und der Initiative Klientensicherheit setzen wir innerhalb unserer Mitgliedschaft verbindliche Standards, die als Referenz für die gesamte Berufsgruppe dienen

Politische Interessenvertretung.
Wir bringen die Perspektive der psychologischen Beratung außerhalb der Heilkunde in politische Diskussionen, parlamentarische Anhörungen, Stellungnahmen zu Gesetzgebungsverfahren und in den Dialog mit Verwaltung und Selbstverwaltungseinrichtungen ein.

Wissenschaftliche Anschlussfähigkeit.
Wir orientieren unsere Standards an der aktuellen Beratungsforschung und tragen selbst zur Forschungslandschaft bei – durch Fachpublikationen, Tagungen, Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Internationale Vernetzung.
Wir arbeiten in europäischen Netzwerken mit, beteiligen uns am wissenschaftlichen und politischen Austausch auf EU-Ebene und gestalten gemeinsam mit Partnerorganisationen aus den Schengen-Ländern abgestimmte Positionen.

Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung.
Wir machen das Berufsbild für die Öffentlichkeit sichtbar – damit Ratsuchende wissen, was sie von einer professionellen Beratung erwarten dürfen, und damit gesellschaftliche Akteure den Wert primärer Prävention erkennen.

Werden Sie Teil dieser Entwicklung

Das Mental Health Programm lebt vom Engagement vieler. Wir laden ein:

Psychologische Beraterinnen und Berater.
Werden Sie Mitglied im VpsyB e.V. und tragen Sie aktiv zur Professionalisierung des Berufsbildes bei

Ausbildungsanbieter.
Lassen Sie Ihre Lehrgänge nach den Standards des VpsyB e.V. zertifizieren und tragen Sie zu einer hochwertigen Aus- und Weiterbildungslandschaft bei.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Wir suchen den Austausch mit der Beratungs-, Versorgungs- und Public-Mental-Health-Forschung und freuen uns über gemeinsame Projekte.

Politische Akteure und Verwaltung.
Wir bieten unser Wissen und unsere Praxis-Expertise für Stellungnahmen, Anhörungen und Programmentwicklung an.

Unternehmen und Organisationen.
Profitieren Sie von unseren Standards für Lotse Mental Health Guide und EAP-Beratung und integrieren Sie qualitätsgesicherte primäre Prävention in Ihre Gesundheitsstrategie.

Internationale Partnerorganisationen.
Wir freuen uns auf den Austausch und die gemeinsame Weiterentwicklung von Standards, insbesondere im deutschsprachigen Raum und in der EU.

Mental Health Programm – Engagement national und EU-weit

Erfahren Sie mehr und werden Sie Teil dieser wichtigen Entwicklung: mental-health-program.org. Für persönliche Anfragen, Kooperationen oder fachlichen Austausch erreichen Sie uns über die Kontaktseite des VpsyB e.V.

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2023): Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit. (Produktionsausfallkosten und Bruttowertschöpfungsverlust durch psychische Erkrankungen)
  • Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 2. März 2004 – 1 BvR 784/03 –, NJW-RR 2004, 705 / MedR 2005, 35 (verfassungskonforme einschränkende Auslegung des Heilkundebegriffs).
  • Council of the European Union (2023): Council Conclusions on Mental Health, 30. November 2023.
  • DAK-Gesundheit / IGES Institut (2025): Psychreport 2025 – Auswertung von Arbeitsunfähigkeitsdaten von 2,42 Mio. erwerbstätigen DAK-Versicherten für das Jahr 2024.
  • Europäische Kommission (2023): Mitteilung über einen umfassenden Ansatz für die psychische Gesundheit (Comprehensive Approach to Mental Health), COM(2023) 298 final, Brüssel, 7. Juni 2023.
  • Europäische Kommission, Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Mental Health – Public Health (Übersichtsseite zur EU-Strategie und ihren 20 Flaggschiff-Initiativen).
  • Europäisches Parlament (2023): Bericht über die psychische Gesundheit (eigenständiger Initiativbericht), Berichterstatterin Sara Cerdas; Annahme im Plenum Dezember 2023.
  • Heilpraktikergesetz (HeilprG), insbesondere § 1 Abs. 2.
  • Mental Health Europe: Briefings und Stellungnahmen zu EU-Politikentwicklungen im Bereich psychische Gesundheit.
  • OECD / European Observatory on Health Systems and Policies (2023): State of Health in the EU – Country Health Profiles 2023.
  • Psychotherapeutengesetz (PsychThG), insbesondere § 1 Abs. 2.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Krankheitskosten-Statistik (Gesundheitsausgaben für psychische Störungen in Deutschland).
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Mental Health in the Workplace; Konzepte universeller, selektiver und indizierter Prävention; globale Schätzungen zu Produktivitätsverlusten durch Depressionen und Angststörungen.
  • VpsyB e.V.: Ethik-Kodex, Qualitätskodex, Code of Conduct, Kodex Klientensicherheit. Verfügbar unter vpsyb.org.
  • Mental Health Programm des VpsyB e.V.: mental-health-program.org.